Interview mit Kim Emanuel Stadelmann

Kim Emanuel Stadelmann, unser KulKids-Kulturvermittler im Bereich Theater/Schauspiel/Tanz beantwortet im Interview mit KulKids Fragen über sich, über das Projekt KulKids und über die Zukunft der Kulturvermittlung an Schulen.

Kim, Du machst als Kulturvermittler bei KulKids im Bereich Schauspiel/Theater/Tanz mit.
 

Beschreibe Dich in 3-5 Sätzen:

Vor über 20 Jahren habe ich mein Zuhause in Luzern gefunden, wo ich meine Wohnung mit meinem Hund Filou, meinem Kaninchen Flips und einer Sammlung aus über 250 seltenen Pflanzen teile. Als vielseitiger Tausendsassa verfolge ich mit Herzblut gleichzeitig verschiedene Projekte und Ideen, welche ich am liebsten in Kompliz*innenschaft mit anderen Menschen umsetze und realisiere. Ich liebe die Gesellschaft von Menschen, schätze ebenso Momente der Stille und das Alleinsein. Ich glaube fest daran, dass sich die Schönheit des Lebens in der Vielfalt unserer Welt, der Diversität und Verbundenheit der Menschen, in der Einfachheit der Dinge und durch das bewusste ‚im-Moment-Sein‘ zeigt und nur darauf wartet an jedem Tag erneut von uns entdeckt zu werden.

 

Wieso machst Du bei KulKids mit?

Kunst und Kultur zu erfahren ist ein zeitloses menschliches Bedürfnis, das sich durch die Jahrhunderte hindurch erstreckt. Dabei gebe ich in meiner eigenen künstlerischen Praxis der Kultur für junges Publikum und der Kulturvermittlung an Kinder und Jugendliche eine besonders grosse Bedeutung. Denn diese ermöglicht es Kindern, nicht nur sich selbst, sondern auch die Welt um sie herum auf eine ganzheitliche Weise wahrzunehmen und zu erfahren. Kulturelle Teilhabe betrachte ich als eine wertvolle und nachhaltige Chance für Bildung und das Miteinander. Ich bin fest davon überzeugt, dass alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Möglichkeiten haben sollten, kulturelle Bildung und Teilhabe zu erleben. Gerade im schulischen Kontext müssen gleiche Chancen für alle gewährleistet sein.

Ich bin einerseits überzeugt davon, dass Kunst in all ihren Formen dazu beiträgt, Räume und Diskurse zu eröffnen, in welchen Kinder und junge Menschen ihre Persönlichkeit entfalten und individuelle und gemeinschaftliche Kompetenzen entdecken und entwickeln können. Auf der anderen Seite glaube ich daran, dass junge Menschen, die Zugang zu kulturellen Veranstaltungen und/oder kultureller Bildung erfahren, nachhaltig ein Interesse an Kultur entwickeln, diese schätzen, fördern und aktiv mitgestalten. Dieses Verständnis und die Offenheit für Kultur sind wichtige Grundlagen für eine freie, bunte und vielfältige Gesellschaft.

 

Was sind Deines Erachtens die wichtigsten Elemente für eine gelungene Kulturvermittlung mit Kindern?

Beziehungsarbeit: Eine starke Beziehung auf Augenhöhe ist von zentraler Bedeutung. Nur wenn Vertrauen und Respekt vorhanden sind, können sich die Kinder in einer Umgebung oder einer neuen Situation sicher und akzeptiert fühlen. Dies schafft die Grundlage für ein nachhaltiges Erlebnis.

Authentizität: Sie ist der Schlüssel, um Kinder für Kultur zu begeistern. Wenn wir selbst von einer tiefen Begeisterung für Kunst und Kultur erfüllt sind, können wir diese Leidenschaft authentisch teilen und die Kinder damit anstecken.

Individualität: Jedes Kind ist einzigartig und die Kulturvermittlung sollte sich auf die individuellen Interessen und Fähigkeiten jedes Kindes konzentrieren. Es ist wichtig, Raum für die Entfaltung der Einzigartigkeit zu schaffen.

Offenheit für Neugier und Unerwartetes: Kinder sind von Natur aus neugierig und entdeckungsfreudig. Darin liegt eine grosse Kraft und viel Potenzial. Eine erfolgreiche Kulturvermittlung ermutigt sie, Fragen zu stellen, kreativ zu sein und das Unerwartete zu erforschen. Es ist diese Offenheit, die die Magie künstlerischer Erfahrungen entfaltet.

Safe space: Ein sicherer und geschützter Raum, in dem Kinder ohne Angst vor Fehlern proben und ausprobieren können, ist unerlässlich. Dies ermutigt sie, ihre kreativen Grenzen zu erkunden, als Team zusammen zu wachsen und ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Glaube an Verzauberung: Theater hat oft etwas Magisches, Verzauberndes, im Theater scheint einfach alles möglich zu sein. Wenn wir den Kindern ermöglichen diese Magie zu erleben, öffnen wir ihnen eine Welt voller Wunder und stärken ihren Glauben daran, dass Träume es verdienen, dass wir sie wahr werden lassen.

Im Moment sein: Ich spreche allen Kindern eine herzliche Einladung aus, mit vollem Engagement, Herzblut, Einsatz, Mut und ihren ganz persönlichen Ideen, Möglichkeiten, Interessen und Ressourcen im Hier und Jetzt zu sein, den Prozess aktiv mitzugestalten, damit sie das volle Ausmass erfassen können, was sie erleben.

 

Wenn Du drei Wünsche für die Schule und Bildung der Zukunft frei hättest: was würdest Du Dir in diesem Bereich wünschen?

Ich sehne mich nach einem dynamischen Ansatz, der sich auf den individuellen Charakter eines jeden Menschen konzentriert. Diese Vision erfordert eine noch prozessorientiertere Herangehensweise, die das Verständnis fördert, dass jeder Mensch einzigartige Stärken, Interessen und Fähigkeiten besitzt. Es ist an der Zeit, dass Bildung sich darauf ausrichtet, diese individuellen Potenziale zu erkennen und zu fördern. Statt starre Strukturen zu schaffen die für alle gleich sein müssen, nie aber für alle gleich sein können, sollten wir einen Raum schaffen, in dem die Vielfalt der menschlichen Entwicklung im Zentrum steht.

Ich wünsche mir eine Bildung, die weniger auf Bewertung, richtig oder falsch und Normen basiert. In der Schule der Zukunft sollten die Schüler*innen viel weniger durch Leistungsdruck und Erwartungen belastet werden. Stattdessen sollte der Fokus darauf liegen, das Wachstum jedes*jeder Einzelnen zu unterstützen. Ich wünsche mir eine Atmosphäre, in der das Lernen an sich im Vordergrund steht, wo Fehler als Teil des Fortschritts angesehen und die Lernenden ermutigt werden, neugierig zu sein und zu experimentieren.

Zukünftige Bildung soll die Akzeptanz von Diversität in allen Lebensformen und Bereichen in den Mittelpunkt stellen. Dies würde bedeuten, dass wir uns in einer Schule und Gesellschaft befinden, die Menschen in all ihren Facetten willkommen heisst - unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion, Identität, Orientierung, kulturellem Hintergrund oder Beeinträchtigung. Diversität sollte nicht nur toleriert, sondern zelebriert werden. Ich wünsche mir eine inklusive Bildung, die ein besseres Verständnis, Empathie, Respekt und Akzeptanz für die Vielfalt unserer Welt fördert und die Lernenden dafür sensibilisiert Ungerechtigkeit zu erkennen und aktiv dagegen vorzugehen, um eine Welt mitzugestalten, in der alle Menschen frei und gleich sein können.

 

Vielen Dank, Kim, dass Du Dir die Zeit für ein Interview genommen hast!