"Wir übten Gefühle auszudrücken."
"Wir durften eigene Ideen bringen. Johanna hat dann ein kleines Stück entworfen und alle unsere Ideen aufgenommen."
"Johanna war eine super super super gute Theaterlehrerin."
Schülerinnen und Schüler, 4. Klasse, Theater-Atelier 1
KulKids steht für ein flächendeckendes und hochwertiges Kulturvermittlungsformat für Primarschüler*innen im Kanton Luzern. Das KulKids-Format will die Lücken in der aktuellen Kulturvermittlungslandschaft an Primarschulen im Kanton Luzern schliessen.
KulKids (Kultur und Kids) schafft Räume, in denen Kinder nicht nur erleben, sondern aktiv mitgestalten – unabhängig von ihren Voraussetzungen, Lebensrealitäten oder dem sozioökonomischen Umfeld. Das projektbasierte und bedürfnisgerechte Format ist partizipativ, prozessorientiert und nachhaltig angelegt. Im Zentrum stehen die Kinder als aktive Gestalter*innen: Sie bringen eigene Ideen ein, entwickeln Inhalte mit und prägen den kreativen Prozess von Anfang an.
Die Projektwochen werden von professionellen Kulturvermittler*innen aus unterschiedlichen Kunst- und Kulturbereichen (Theater, Musik, Gestalten, Tanz, etc.) geleitet, während die Lehrpersonen bewusst eine beobachtende Rolle einnehmen. Gemeinsam mit klassenübergreifenden Gruppen entwickeln die Kulturvermittler*innen alters- und stufengerechte Projekte im Klassenzimmer resp. im Schulalltag. Durch die kontinuierliche und intensive Zusammenarbeit auf Augenhöhe entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre, die Kreativität, Selbstbestimmung und kooperatives Arbeiten stärkt.
KulKids versteht kulturelle Bildung als offenen, dialogischen Prozess des gemeinsamen Entdeckens, Experimentierens und Lernens. Dabei steht nicht das fertig Ergebnis im Vordergrund, sondern die Möglichkeit für Kinder eigenständig Ziele zu verfolgen, eigene Werte einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und gesellschaftliche Teilhabe aktiv mitzugestalten. Im Sinne des Lehrplan 21 versteht KulKids kulturelle Bildung damit auch als Zukunftsraum.
Das Ziel von KulKids ist die überfachlichen Kompetenzen der Kinder zu fördern und zu stärken, damit sie partizipieren, aktiv mitgestalten und ihre Perspektiven wirksam einbringen können. Gemäss Lehrplan 21: Personale Kompetenzen wie Selbständigkeit, Eigenständigkeit und Selbstreflexion; Soziale Kompetenzen wie Dialog- und Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Umgang mit Vielfalt; Methodische Kompetenzen wie Sprachfähigkeit, Umgang mit/Nutzen von Informationen und Problemlösefähigkeiten.
Umgesetzt wird KulKids projektbasiert, bedürfnisgerecht und auf Augenhöhe mit den Kindern. Professionelle Kulturvermittler:innen leiten die verschiedenen Ateliers. KulKids findet im Rahmen einer Projektwoche sowie zwei vorangehender Vorbereitungshalbtage vor Ort in der Schule (im Klassenzimmer, im Werkraum, in der Aula, etc.) statt.
Die Erfahrungen aus KulKids zeigen, dass partizipative Kulturvermittlung Selbstwirksamkeit, kreative Ausdrucksfähigkeit und soziale Zusammenarbeit der Kinder stärkt, indem beispielsweise gezielt die kommunikativen Fertigkeiten, analytischen Fähigkeiten oder das Problemlöseverhalten weiterentwickelt werden.
Nach dem erfolgreichen KulKids-Pilot mit dem Schulhaus Ermensee im SJ 2023/2024 und der zweiten Durchführung von KulKids (KulKids 2.0) mit den drei 4. Klassen im Schulhaus Kehlhof, Adligenswil, im SJ 2025/2026, wird KulKids 3.0 im SJ 2027/2028 umgesetzt.
KulKids möchte das Rad nicht komplett neu erfinden. Mit KulKids sollen aber Lücken geschlossen werden, die im aktuellen Vermittlungsangebot vorhanden sind.
Was heisst das jetzt genau?
Im Kanton Luzern besteht grundsätzlich ein breites kulturelles Angebot durch Kulturinstitutionen und freischaffende Künstler*innen. Bei den bestehenden Bestrebungen und Angeboten fehlt es aber oft an einem oder gleich mehreren der folgenden Schlüsselmerkmale für eine qualitativ hochwertige und wirkungsvolle Kulturvermittlung: die Interdisziplinarität der Angebote, Partizipation und/oder Nachhaltigkeit (sprich zu kurze Dauer der Angebote, keine Intensität oder Regelmässigkeit der Angebote, ausschliesslicher Kulturkonsum, etc.), und/oder der Einbettung eines Programms in den Schulalltag und die Verbindung mit überfachlichen Kompetenzen.
Weiter kommt hinzu, dass nicht alle Kinder die Möglichkeit haben, die bestehenden Angebote zu nutzen und Erfahrungen mit Kunst und Kultur zu machen. Ob ein Kind profitieren und kulturelle Bildung erfahren kann, hängt nämlich von verschiedenen Faktoren ab: sozioökonomisches Umfeld und Wohnort des Kindes, Standort und Budget der Schule, Kulturinteresse der Lehrperson, wenig flexible Wochenstundentafel und andere.
KulKids möchte diese Lücken schließen und ein Format entwickeln, das die beschriebenen Anforderungen erfüllt.
"Wow, es war toll! Wir haben fünf Tage coole Sachen gemacht."
"Am Freitag hat jedes Atelier etwas gezeigt, das fand ich am coolsten."
"Ich kann fast nicht glauben, dass die Zeit so schnell verging."
Schülerinnen und Schüler, 4. Klasse, Theater-Atelier 2
Um ein Vermittlungsformat zu entwickeln, welches die formulierten Anforderungen erfüllt, wird in enger Zusammenarbeit mit Kulturvermittler*innen, Lehrpersonen und weiteren Fachpersonen während mehreren Jahren ein Prototyp erarbeitet, ausgetestet, evaluiert und weiterentwickelt.
Der Pilot fand im Schuljahr 2023/2024 mit vier Klassen, etwa 60 Schüler*innen und einem hochmotivierten und engagierten Team an Kulturvermittler*innen und Lehrpersonen statt. Die Schulleitung des Pilotschulhauses Ermensee nahm aktiv und mit viel Herzblut und Einsatz an der Prototypentwicklung teil.
Die KulKids-Kulturvermittler*innen besuchten die Schüler*innen vor Ort in Ermensee zwischen November und April während mehreren Halbtagen und einer Intensiv-Projektwoche.
Nach einem ersten gegenseitigen Kennenlernen tasteten sich die Kinder in spielerischer Art an Kunst und Kultur insgesamt und die künstlerische Ausrichtung der kulturvermittelnden Person im Speziellen heran. Aufbauend auf den gemachten Erfahrungen und Erlebnissen lag der Fokus darauf, die Sinne der Kinder zu schärfen, Beobachtungen anzustellen, Dinge auszuprobieren, zu diskutieren und neue Perspektiven einzunehmen. Zusammen mit den Kulturvermittler*innen begannen die Kinder, selbst Kunst zu schaffen, zu erleben und zu erfahren. Am Schluss zeigten die Schüler*innen im Rahmen einer Aufführung, was sie bei der gemeinsamen Arbeit mit den Kulturvermittler*innen in den KulKids-Ateliers geschaffen hatten.
Die Erkenntisse, welche wir nach der Evaluation und Auswertung des Pilots in Ermensee gewonnen haben, flossen in die Weiterentwicklung des KulKids-Formats ein.
Für KulKids 2.0 konzentrierten wir uns auf die 3. und 4. Klassen. Als besonders wertvoll und unverzichtbar hat sich auch eines der Kernmerkmale des KulKids-Formats bestätigt, nämlich die Leitung der Ateliers durch professionelle Kulturvermittler:innen. Weiter rückten der partizipative Ansatz und die Prozessorientierung für KulKids 2.0 noch stärker in den Fokus. Auch der klassenübergreifende Ansatz, die Verknüpfung mit dem Lehrplan 21 und insbesondere den überfachlichen Kompetenzen wurden bei KulKids 2.0 verstärkt umgesetzt.
Im Schuljahr 2025/2026 fand die zweite Durchführung von KulKids mit einer neuen Schule, neuen Lehrpersonen, neuen Kulturvermittler:innen und natürlich neuen Schülerinnen und Schülern statt. Die Schülerinnen und Schüler von drei 4. Klassen besuchten während einer intensiven Projektwoche klassenübergreifend entweder ein Musikatelier, ein gestalterisches Atelier oder eines von zwei Theaterateliers. Die zweite Durchführung von KulKids wurde sodann von einem erfahrenen Forschungs- und Evaluationsunternehmen begleitet und evaluiert.
Die dritte Durchführung von KulKids wird im Schuljahr 2027/2028 stattfinden. Bis dahin werden wir das Format aufgrund der im Rahmen der zweiten Durchführung gewonnen Erkenntnisse und durchgeführten Evaluationen weiterentwickeln. Eine wichtige Aufgabe sehen wir auch darin, die politischen Entscheidungsträger im Kanton Luzern von der Idee zu überzeugen und ins Boot zu holen. Die diesbezüglichen Gespräche und Austausche werden parallel zur Weiterentwicklung laufen.
Sie sind neugierig, wie es bei der Prototyp-Entwicklung so läuft und wo wir stehen? In unserem Blog erfahren Sie laufend, wie wir vorankommen, welche Herausforderungen wir zu meistern haben und welche Erfolge wir feiern dürfen.
"Wir waren uns einig, dass wir ein Album machen und dann online stellen und auch vorführen."
"Kevin war sehr nett und sehr cool!"
"Ich habe gelernt vor anderen zu spielen."
Schülerinnen und Schüler, 4. Klasse, Musik-Atelier
Die Kulturvermittler*innen ermutigen die Kinder, ihre individuellen Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken und zu fördern. Die Kinder lernen, dass Kunst provokativ sein kann, aber auch Erinnerungen und Träume wecken kann. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten, nur verschiedene Sichtweisen.
Im Kunstbereich lädt das Atelier die Kinder zum spielerischen Entdecken ein und bringt die Fantasie zum Blühen. Es wird gezeichnet, gemalt, geschnitten, gerissen, collagiert und mit Ton geformt. Es entstehen kleine Figuren aus Fundstücken, Bilder und Objekte – mal allein, mal gemeinsam. Auch draussen werden Spuren gesammelt und Räume mit kleinen Interventionen verändert. Die Kinder lassen sich inspirieren, erfinden Figuren, Bilder und vielleicht kleine Geschichten. Und dabei erfahren sie auch, viel Kraft im gemeinsamen Gestalten steckt. So wird das Atelier zum offenen Atelier – voller Ideen, Möglichkeiten und Überraschungen.
Im Musikbereich erfinden die Kinder z.B. mit Stimme, Körper, Instrumenten und Geräuschen gemeinsam eine Geschichte und bringen diese mit Musik und Klang zum Leben. Sie entdecken, wie Töne Stimmungen erzeugen und Geschichten unterstützen können. Die Kinder entdecken so neue Wege, Musik zu gestalten – mit Bewegung, digitalen Instrumenten und interaktiven Klangräumen. Sie komponieren eigene Melodien, experimentieren mit Beats und verwandeln den Raum in eine virtuelle Musikwelt. Dabei entstehen tanzende Klänge, bewegte Bilder und vieles mehr.
Im Theater schlüpfen die Kinder in verschiedene Rollen, improvisieren mit Objekten und erschaffen Fantasiewelten, in denen sie ihre Träume und Wünsche frei gestalten und ausprobieren können. Sie erfinden Figuren, entwickeln Geschichten und setzen ihre Ideen mit Bewegung, Musik, Sprache und Improvisation in Szene. Im gemeinsamen Spiel entstehen kurze Szenen, die verändert, neu gedacht und immer wieder belebt werden. Im Mittelpunkt stehen Kreativität, Ausdruck und Freude am Spiel.
Die Aktivitäten der Klasse findet ihren Abschluss in einer Aufführung oder Vernissage, zu der Mitschüler*innen eingeladen sind.
Zusätzlich haben die Kinder die Möglichkeit, im Rahmen eines Ausflugs eine Kulturinstitution oder das Atelier der kunstschaffenden Person zu besuchen und so die professionelle Seite von Kunst und Kultur kennenzulernen.

"Andrea hat uns viele Bastelideen gezeigt, es hat mir richtig richtig Spass gemacht."
"Ich wünschte mir, dass so jede Woche wäre, ich konnte sehr viel gestalten und machen, was ich wollte."
"Mir hat gefallen, was Andrea gesagt hat: Es ist nie etwas richtig oder falsch."
Schülerinnen und Schüler, 4. Klasse, Kunst-Atelier
Da wir das Kulturvermittlungsformat an der Basis entwickeln, wird das KulKids-Format in den Lehrplan und den Schulalltag integriert, für die Lehrpersonen stimmig, in Einklang mit dem kantonalen Schulentwicklungsvorhaben «Schulen für alle» und für die Kinder ein echter Mehrwert sein.
Am Ende der Projektlaufzeit soll ein Kulturvermittlungsformat stehen, das auf verschiedene Schulhäuser und Gemeinden adaptierbar ist und gleichzeitig Spielraum lässt für Anpassungen vor Ort.
Das KulKids-Format soll eine flächendeckende Etablierung der Kulturvermittlung an den Luzerner Primarschulen ermöglichen. Die weiterführende Umsetzung und die Weiterentwicklung des Formats sollen sodann dem Kanton Luzern übergeben werden.


Hinter Kulkids steht der Verein Kulturbildung für Kinder Luzern, in dessen Vorstand seit 1. Januar 2025 Mirjam Bachmann (Pädagogin und Kunstvermittlerin, Präsidentin), Diel Schmid Meyer (Projektleiterin, Rechtsanwältin und Vizepräsidentin) und Julia Fischer-Steger (Projektleiterin, Rechtsanwältin und Aktuarin) sind.